Weimar – Kulturelle Welterbestätten der UNESCO aus Klassik und Moderne
Weimar – Kulturelle Welterbestätten der UNESCO aus
Klassik und Moderne
Weimar, die „Kulturstadt“ im Osten Thüringens liegt an der Ilm. Die
rund 65.000 Einwohner zählende Stadt gilt als einer bedeutendsten
Orte der deutschen Kulturgeschichte.
In den 90er Jahren des letzten Jahrhunderts nahm die „United
Nations Educational, Scientific and Cultural Organization“ (UNESCO)
die Stadt mit zwei Schwerpunkten in ihre Welterbeliste auf.
Nachdem 1996 bereits Gebäude, die im Design der Kunstrichtung
„Bauhaus“ Aufnahme in die Welterbeliste fanden, fügte die UNESCO
dieser Liste 1998 weitere Stätten der sogenannten „Weimarer
Klassik“ hinzu.
Die „Weimarer Klassik“ ist zeitlich um die Jahrhundertwende
zwischen dem 17. und 18. Jahrhundert anzusiedeln. Der Begriff liegt
begründet im künstlerischen Wirken zahlreicher namhafter
klassischer Dichter und Musiker in Weimar. Neben Johann Wolfgang
von Goethe, der von 1775 bis 1832 in der Stadt lebte und arbeitete,
waren Christoph Martin Wieland, Gottfried Herder und Friedrich von
Schiller herausragende Dichter der „Weimarer Klassik“.
In der Stadt finden sich zahlreiche sehr gut erhaltene oder
restaurierte Gebäude und Örtlichkeiten, die mit diesen klassischen
Künstlern eng in Verbindung stehen und deshalb von der UNESCO als
besonders erhaltenswert eingestuft werden. Ihre Architektur und ihr
Design spiegeln den Zeitgeist dieser künstlerischen Epoche wider
und ließen Weimar zu einem der bedeutendsten Orte der klassischen
Kultur in Deutschland werden.
Goethes Wohnhaus, durch den Dichter selbst im
italienisch-klassizistischen Stil umgebaut, beeindruckt mit seiner
Einrichtung und mit zahlreichen Dokumenten und Informationen zu
Goethe und seinem literarischen Werk.
Auch das Wohnhaus Schillers, in dem unter anderem „Wilhelm Tell“
entstand, lädt Besucher zu einer interessanten Zeitreise in seine
Epoche ein.
Das Wirken Gottfried Herders kann an den sogenannten
„Herderstätten“ nacherlebt werden. Dies sind das „Herderhaus“, die
„Stadtkirche St. Peter und Paul“ sowie das „Alte Gymnasium“.
Das „Weimarer Stadtschloss“ sowie das „Wittumspalais“, beide
einst von Herzogin Anna Amalia Mitte des 18. Jahrhunderts bewohnt,
sind ebenfalls Welterbestätten der UNESCO.
Die „Herzogin Anna Amalia Bibliothek“, ist eine Sammlung vieler
tausend Schriften und Kunstwerke, welche die Herzogin 1766 im
„Grünen Schloss“ mit seinem berühmten Rokoko-Saal zusammengetragen
hat. Die Bibliothek verlor im Jahr 2004 durch einen Brand rund
50.000 Schriften, ist aber nach ihrer Restaurierung weiterhin ein
Ort, in dem sich ausgiebig in der Literatur der letzten
Jahrhunderte stöbern lässt.
„Schlosspark Belvedere“ mit Gärten
Zu Weimars Welterbestätten zählen auch eine Reihe von Parks und
Grünanlagen, in die viele klassische Gebäude und Denkmäler
eingebettet sind.
Der „Park an der Ilm“ lockt neben seiner landschaftlichen Schönheit
mit dem „Römischen Haus“, „Goethes Garten“ und seinem
Gartenhaus.
Auch der „Schlosspark Belvedere“ mit Gärten verschiedenster
klassischer Designrichtungen, das „Schloss Belvedere“ selbst und
die Orangerie mit ihren Orangenbäumen sind lohnende
Ausflugsziele.
Das „Schloss Tiefurt“ ist als Sommersitz von Herzogin Anna Amalia
bekannt und diente als Treffpunkt für literarische Veranstaltungen.
Das Schloss umgibt ein Park, dessen Gestaltung ein Sohn von Anna
Amalia vornahm.
Ein weiterer reizvoller Park umrandet das Schloss „Ettersburg“, das
zeitweise Domizil von Herzogin Anna Amalia war.
Die Welterbeliste für das „klassische Weimar“ beschließt die
„Fürstengruft“ mit dem „Historischen Friedhof“.
In der Kunstszene des frühen 20. Jahrhunderts spielte das
„Bauhaus“ eine bedeutende Rolle. Künstler dieser Stilrichtung
wichen von klassischen Designvorstellungen ab und suchten nach
neuen, abstrakteren Wegen in der Kunst. Sie haben mit ihren
Arbeiten in Malerei, Bildhauerei und Architektur bis heute Spuren
hinterlassen und die Kunst beeinflusst.
Als Protagonisten des „Bauhaus“-Stils gelten unter anderen Lyonel
Feininger, Wassily Kandinsky, Lazlo Moholy-Nagy, Johannes Itten und
Paul Klee.
1919 begründete einer der bedeutendsten Architekten des
„Bauhaus“-Stils, Walter Gropius, die Kunst und Designschule
„Staatliches Bauhaus Weimar“, deren Gebäude sich in der
Welterbeliste der UNESCO findet.
Wandmalereien des „Bauhaus“-Künstlers Oskar Schlemmer
Das „Haus am Horn“ ist ein von Georg Muche erbautes „Musterhaus“ der „Bauhaus“-Architektur. Es ist Bestandteil der Welterbeliste, ebenso wie die ehemalige Kunstgewerbeschule, in der rekonstruierte Wandmalereien des „Bauhaus“-Künstlers Oskar Schlemmer zu sehen sind.
Die UNESCO hat mit der „Weimarer Klassik“ und dem „Bauhaus“ zwei künstlerische und architektonische Stilrichtungen in Weimar gewürdigt. Besuchern der „Kulturstadt“ Weimar eröffnet sich die Möglichkeit, Zeugen des spannenden Zusammentreffen von Klassik und Moderne zu werden.
